LEBENSWERTES RHEINSTETTEN

1. Für die Menschen planen

Stadtplanung muss sich am Menschen orientieren: Sie muss versuchen, die unterschiedliche Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen in Einklang zu bringen. Innerörtliche Grünzonen sind unverzichtbar für ein gutes und gesundes Stadtklima. Attraktive Plätze und Wege machen Stadt- und Ortsteile lebendig. Möglichkeiten der Begegnung für Alte und Junge, für Menschen mit und ohne deutschen Pass, mit und ohne Behinderungen sind die Voraussetzung dafür, dass sich alle in Rheinstetten wohl fühlen.

2. Funktionierende Nahversorgung

Für die Planung im Dienstleistungs- und Einzelhandelsbereich gilt für uns GRÜNE das Prinzip der kurzen Wege – beim Supermarkt oder der Arztpraxis ebenso wie bei Läden oder Freizeitangeboten. Wir begleiten deshalb die Planungen für die neue Mitte sehr kritisch. Rheinstetten braucht fußläufig erreichbaren Lebensmitteleinzelhandel und ein breites Angebot an regionalen und biologischen Produkten – auch in den alten Ortskernen. Die Ansiedlung eines zu großen Verbrauchermarktes in der neuen Mitte gefährdet nicht nur bestehende kleinere Märkte und Neuentwicklungen in anderen Ortsteilen, sie birgt auch die Gefahr einer zusätzlichen Verkehrsbelastung für den Süden Forchheims und den nördlichen Teil von Mörsch. Wir fordern deshalb den Verzicht auf großflächigen Einzelhandel und die Rückbesinnung auf die alte Obergrenze von 800 m² Verkaufsfläche – auch und gerade für die neue Mitte!

Die Umsiedlung des REWE-Marktes in Forchheim Nord in Verbindung mit der zweifelhaften Ansiedlung des „Messehotels“ halten wir für einen Fehler und eine verpasste Chance, in besser geeigneter Lage einen kleineren Supermarkt für Forchheim Nord zu etablieren. Zudem besteht die Gefahr, dass sich die regelmäßig durch Besucherinnen und Besucher der Messen hervorgerufene chaotische Parkplatzsituation im dortigen Mischgebiet nochmals verschlechtert. Hier sind Lösungen gefragt.

3. Lebensfreundliche Quartiere

Kurze Beine – kurze Wege. Rheinstetten trägt diesem Motto mit 22 Spielplätzen Rechnung. Die in jüngster Zeit attraktiver gestalteten Erlebnisspielplätze mit viel Grün begrüßen wir ausdrücklich. Die kleinen Spielplätze haben unseres Erachtens insbesondere für Kleinkinder und als Begegnungsraum für Rheinstetten eine wichtige Funktion. Angesichts rückläufiger Kinderzahlen ist jedoch zu prüfen, ob einzelne wenig genutzte Spielplätze zu einem Park bzw. Erholungsraum oder Treffpunkt mit Mehrgenerationenangeboten überführt werden können.

Trotz der in den letzten zwanzig Jahren erfolgten, massiven innerörtlichen Verdichtung wurden parallel auch in den Außenbereichen mehrere neue Wohngebiete erschlossen. Dabei wurden die mittel- und langfristigen Folgen dieser neuen Gebiete nicht bedacht. Vor jeder neuen Bebauung im Wohn- und Gewerbebereich muss zukünftig eine umfassende Berechnung der langfristigen finanziellen Folgen für die Gemeinde stehen. Dabei sind nicht nur die direkten Kosten für die Erschließung und den Unterhalt der erforderlichen technischen Infrastruktur, sondern auch die Kosten für die erforderliche soziale Infrastruktur darzustellen (z. B. für Spielplätze, Kindergartenplätze etc.). Wir fordern diese Politik des ziellosen Wachstums um jeden Preis zu beenden. Die bestehenden Bebauungspläne für die alten Ortskerne dürfen nicht weiter aufgeweicht werden. Frischluftschneisen und Grünzonen müssen erhalten und wo möglich neu geschaffen werden. Wir Grünen stehen dabei zum Prinzip der Generationengerechtigkeit – heute für morgen mitdenken.

4. Junges Rheinstetten

Kinder und Jugendliche sollen sich in Rheinstetten willkommen fühlen. Das Kinder Jugend & Familien Büro bietet ein attraktives Angebot, das nicht nur mit seinem Familientag, Krokomobil und Kindertheater auf breites Interesse stößt. Das Jugendhaus Joze mit Streetsocceranlage und Volleyballfeld ist zweifelsohne ein unterstützenswerter Anlaufpunkt für Jugendliche verschiedener Altersgruppen und Herkunft. Auch das mit der mobilen Jugendarbeit umgesetzte Langzeitprojekt Graffiti, die Konzerte, Bandproben, Koch- oder Bastelaktionen begrüßen wir – und freuen uns bereits auf weitere entsprechend gestaltete Graffiti-Wände. Rheinstettens Stadtranderholung und Kinderferienprogramm helfen in beeindruckender Weise, auch in den Sommerferien Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Das Engagement vieler Ehrenamtlicher hat letzten Sommer ein Ferienprogramm mit fast 100 sehr gut gebuchten Veranstaltungen ermöglicht. Diese und ähnliche Angebote wollen wir GRÜNE erhalten und ausbauen. Wir freuen uns auch über die engagierte Jugendarbeit vieler Rheinstettener Vereine, die sich vielfältig in die Kinder- und Jugendarbeit einsetzen und wollen dies auch in Zukunft unterstützen.

Jugendliche brauchen jenseits von Schule, Arbeitswelt und organisierter Jugendarbeit Treffpunkte, in denen sie Gemeinschaft erleben, sich frei entfalten und weiter entwickeln können. Unterstützt durch die gute mobile Jugendarbeit in unserer Gemeinde lassen sich sicher gemeinsam mit den Jugendlichen geeignete Orte sondieren. Wir hoffen auf baldige Umsetzung des vom Jugendgemeinderat gewünschten Grillplatzes. Auch gilt es, das Verständnis der Bürgerschaft für die heutigen Probleme Jugendlicher weiter zu fördern.

Durch das von der grün-roten Landtagsmehrheit neu geschaffene Kommunalwahlrecht ab 16 Jahren erhalten Jugendliche mehr Mitwirkungsrechte. Der Jugendgemeinderat ist ein wichtiges Gremium, durch das Rheinstettener Jugendliche sich am kommunalen Leben beteiligen und ihre Sichtweise in die Politik einbringen können. Wir wollen, dass ihre Anliegen und Projekte ernst genommen werden und die Mitspracherechte des Jugendgemeinderats weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus sollen Kinder und Jugendliche auch über weitere offene Beteiligungsformate in den Kommunen Gehör finden.

5. Seniorenarbeit stärken

Der demographische Wandel stellt neue Anforderungen an die kommunale Sozialpolitik, z.B. im Wohnbereich, in der Versorgungssituation und in der kommunalen Infrastruktur, die wir GRÜNE gemeinsam mit dem Seniorenrat und weiteren in der Seniorenarbeit Aktiven gestalten möchten. Neue Formen von Mehrgenerationen-Wohnformen begrüßen wir ausdrücklich, denn viele Menschen erfahren gerade im Alter große Einsamkeit. Wir treten dafür ein, dass schon bei der Planung neuer Baugebiete Bauweisen berücksichtigt werden, die ein selbstverwaltetes, seniorengerechtes Wohnen ermöglichen. Wir wollen die Arbeit der Seniorenbeauftragten entsprechend den ansteigenden Aufgaben stärker sachgerecht ausstatten, um Vernetz-ungs-, Beratungs- und Informationsangebote auch in den Stadtteilen zu verbessern. Auch die Gestaltung des Wohnumfeldes sollte auf die Bedürfnisse der älteren Generation abgestimmt werden. Stadtteilnahe Einkaufsmöglichkeiten und Dienstleistungsbetriebe vor Ort sowie verkehrsberuhigte Zonen erleichtern gerade älteren Menschen, sich in der Stadt zu Fuß zu bewegen. Auch für von Demenz bedrohte Menschen müssen adäquate Lösungen gefunden werden. Den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in der Begleitung demenzkranker oder sterbenskranker Menschen engagieren, zollen wir hohe Anerkennung.

6. Kulturelle Vielfalt für Rheinstetten

Kunst und Kultur lassen uns die Welt mit anderen Augen sehen und neu denken. Oft sind sie Impulsgeber für Veränderung und für die Weiterentwicklung unseres Wertesystems. Wir GRÜNE bekennen uns daher klar zur Kulturförderung als Pflichtaufgabe der Kommunen. Öffentliche Mittel für Kunst und Kultur sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit von Städten und Gemeinden.

Karlsruhe bietet als Oberzentrum auch für sein Umland ein qualitativ und quantitativ sehr hochwertiges kulturelles Veranstaltungsprogramm. Rheinstetten kann sich in seinen kulturellen Aktivitäten daher auf die Bereiche konzentrieren, die das vorhandene regionale Angebot sinnvoll ergänzen. Initiativen und Vereine wie KIR, haben hier bislang großartige Arbeit geleistet. Aktivitäten der Schultheater, zahlreiche Chöre oder der Kunsthandwerkermarkt bereichern darüber hinaus das kulturelle Leben in Rheinstetten. Ob Rheinstetten ein neues und teures Kulturzentrum in der neuen Mitte benötigt, stellen wir in Frage. Wir bevorzugen die Pflege und die Aufwertung der bestehenden Veranstaltungsräume in den Ortsteilen. Dabei geht es uns auch um den Erhalt des kulturellen Erbes. Wir möchten wichtige Gebäude in Gemeindebesitz behalten und einer sinnvollen Nutzung zuführen. Die Diskussion um die Umwandlung des alten Mörscher Feuerwehrhaus in ein Künstlerhaus begrüßen wir.

Wir regen an, die interkommunale Kulturarbeit mit Karlsruhe auszubauen und die vielfältigen Möglichkeiten von Kooperationen der verschiedenen Anbieter, von Laienkultur und professionellen Kulturanbietern und Kunstschaffenden gezielt zu fördern. Da Kreativität und Wissen entscheidende Faktoren für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sind, wollen wir, dass möglichst viele Menschen an Kunst und Kultur teilhaben können. Unter Teilhabe verstehen wir nicht nur Teil eines Publikums zu sein, immer wichtiger wird auch die aktive Teilhabe. So können Kultur- und Bildungseinrichtungen über Programme und Projekte kultureller Bildung Kindern und Jugendlichen wichtige Erfahrungen und Erlebnisse vermitteln und ihnen einen Zugang zu den Künsten verschaffen. Wir unterstützen das bürgerschaftliche Engagement in der Kultur und setzen uns dafür ein, dass hierfür ausreichende Räume und Darstellungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Kultur der Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kamen und kommen, erweitert und bereichert das örtliche Kulturangebot. Interkulturelle Angebote leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund, sondern entwickeln Kultur in innovativer Weise weiter. Dazu gehört auch, die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern mit Migrationshintergrund anzuerkennen, zu unterstützen und angemessen zu präsentieren.

7. Vereine fördern

Vereine sehen wir GRÜNE als wichtigen Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, die viel zum Wir-Gefühl in unserer Stadt beitragen. Strukturen und Bedürfnisse sind im Wandel. Welche Angebote und sozialen Strukturen ergänzend zur Arbeit der Vereine in Rheinstetten gebraucht werden, soll mit Hilfe einer von uns geplanten repräsentativen Befragung der Bürgerinnen und Bürger entwickelt werden. Dabei sollen insbesondere die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Generationen Berücksichtigung finden.