BILDUNG UND BETREUUNG

Wir GRÜNE wollen allen Kindern gute Entwicklungschancen bieten. Dafür sind gute und bedarfsgerechte Betreuungs- und Bildungsangebote eine wichtige Voraussetzung. Wir treten ein für eine hohe pädagogische Qualität in Schulen, Krippen, Kindergärten, Kindertagesstätten und der Tagespflege. Kindertageseinrichtungen brauchen eine gute Ausstattung mit Fachkräften und gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Besonders die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder entwickeln sich dadurch nachweislich besser, was nicht nur Kindern mit Migrationshintergrund zugutekommt. Wir Grüne stehen zum Prinzip „kurze Beine – kurze Wege“, aber auch interkommunale Lösungen im Rahmen regionaler Schulentwicklung gehören dazu - wie etwa Berufsschulangebote in Ettlingen. Daher sind in punkto SchülerInnenbeförderung nicht nur kindgerechte Schulradwegkonzepte zu entwickeln, sondern ist auch der öffentliche Nahverkehr angemessen zu gestalten. Wichtige Anforderungen an die „Schulen der Zukunft“ sind für uns GRÜNE längeres gemeinsames Lernen und die individuelle Förderung jedes Kindes.

Bündnis 90/Die Grünen treten für Ganztagesschulen ein. Diese ermöglichen eine Aufgabe des traditionellen 45-Minuten-Unterrichtstaktes zu Gunsten von Unterrichtseinheiten, die den Lernbedürfnissen angepasst sind und bei denen musisch-kreative und sportliche Angebote sinnvoll eingebunden werden. Ganztagesschulen bauen Bildungsnachteile ab und tragen zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern bei. Dazu muss eine Ganztagsschule mit allen notwendigen Ressourcen ausgestattet werden. Die Teilnahme an einem warmen, möglichst frisch zubereiteten Mittagessen mit Produkten aus möglichst regionalem und biologischem Anbau muss für alle Kinder und Jugendliche ermöglicht und bei Bedarf finanziell unterstützt werden - eine Ganztagsschule zum Nulltarif wird es nicht geben.

Umwelterziehung und ein bewusstes Erleben der Natur prägen Kinder nachhaltig in ihrer ganzheitlichen Entwicklung. Viele Rheinstettener Schulen tragen dazu bereits mit Schulprojekten und Schulgärten bei. Diese und weitere pädagogisch wertvolle Ansätze wie etwa Anti-Aggressionstrainings, Streitschlichter- und „Schulhund“-Projekte sowie die immer wieder beeindruckenden Theater-AGs begrüßen und unterstützen wir ausdrücklich.

Gemeinsames Lernen und Leben von Kindern mit und ohne Behinderung darf als Recht nicht nur auf dem Papier stehen. Inklusion ist bei entsprechender personeller Unterstützung und Ausstattung der Schule für alle eine wertvolle Bereicherung. Daher gilt es diese sukzessive nach Möglichkeit auszubauen.

Die Schulsozialarbeit hat sich als besonders wirksame Kooperation von Jugendhilfe und Schule in der Praxis bewährt. Sie soll als eigenständiges Angebot dauerhaft im Schulalltag an allen Schularten verankert sein. Die von der grün-roten Landesregierung endlich wieder eingeführte Drittelfinanzierung macht den Schulsozialausbau finanziell möglich.

1. Gute Schulbildung von Anfang an

Angesichts sinkender SchülerInnen-Zahlen und neuer Anforderungen ist Rheinstettens Schullandschaft im Umbruch. Daher hatten wir bereits im Oktober 2010 bei ei ner Grünen Veranstaltung dazu einen Runden Tisch zur Schulentwicklung gefordert mit dem Ziel, ein gemeinsames Konzept für die Schullandschaft Rheinstetten zu erarbeiten. Seitdem stand zunächst das lange vernachlässigte Schulzentrum im Fokus. Dann wurde ein Arbeitskreis Grundschulentwicklung installiert. Dieser soll mit Beteili gung von Schulleitungen, Eltern, Politik und Verwaltung einen konkreten Vorschlag entwickeln, der aufzeigt, welche qualitativen Grundschul-Anforderungen in welchen Grundschulen in Rheinstetten umgesetzt werden sollen. Die Grundidee dieses ergebnisoffenen Beteiligungsprozesses begrüßen wir GRÜNE und beteiligen uns entsprechend. Künftig wünschen wir uns für solche Arbeitskreise zusätzlich eine stärkere Einbindung von Schüler- und Lehrerschaft und deutlich mehr Transparenz. Alle getroffenen Teilentscheidungen müssen dann schleunigst in ein umfassendes Bil dungs- und Betreuungskonzept überführt werden, das neben allen Ansprüchen an Schulangebote auch die erforderliche/gewünschte Betreuung vor und nach Schuleintritt durchgängig berücksichtigt. Wir GRÜNE werben für das Angebot einer Ganztagesgrundschule in Rheinstetten.

2. Entwicklungschancen für die Größeren

Die aktuelle Gemeinderatszeit wurde und wird stark vom Schulzentrum geprägt. Mit zunehmend beunruhigendem Faktenstand haben wir GRÜNE gemeinsam mit den Schulen bereits 2011 zunächst Sanierung, 2012 eine Generalsanierung und dann 2013 einen Neubau eingefordert. Dabei haben wir uns dafür stark gemacht, dass die Bürgerinnen und Bürger Rheinstettens über die Zukunft des Schulzentrums abstimmen können. Auch wenn die Abstimmung mangels Modell oder konkreter Planung eines Neubaus schwierig war, hat sich mit 57,3% die deutliche Mehrheit der Abstimmenden für einen Neubau entschieden. Bekanntlich wurde von der Ratsmehrheit dennoch eine Sanierung mit Anbau auf den Weg gebracht. Klar war vermutlich allen, dass der dann vereinbarte Kostendeckel von 70% der kalkulierten Neubaukosten ein Papiertiger bliebe, da im folgenden Architektenwettbewerb - trotz unserer Einwände kein Neubau mit berücksichtigt wurde. Immerhin konnten wir uns aber mit unserer Grundüberzeugung durchsetzen, dass solch eine Generalsanierung nicht bei „laufendem Betrieb“ erfolgen kann sondern eine Komplettauslagerung erfordert. Nun blicken wir gemeinsam vorwärts. Wir begrüßen, dass die Schulen bei den jüngsten Schul zentrumsplanungen intensiv eingebunden wurden und diese auch mittragen. Wir werden dafür eintreten, dass die direkte Beteiligung aller beteiligten Gruppen in den Schulen auch bei den weiteren Planungen und Umbauschritten fortgeführt wird.

In der Schwarzwaldschule werden ab dem Schuljahr 2014/15 Schülerinnen und Schüler von Grund-, Werkreal- und Förderschule neben- und teilweise miteinander lernen. Nun sind die räumlichen und personellen Voraussetzungen zu schaffen, die ermöglichen, dass alle von diesem Miteinander profitieren. Die geplante SchulhofNeugestaltung begrüßen wir explizit. Die Albert-Schweitzer-Schule birgt neben ihrer Grundschule derzeit den Schülerhort und die Krippe. Auch sie ist bei Bedarf entsprechend zu unterstützen.

Nach Verabschiedung des Grundschulentwicklungskonzepts steht an, dieses sukzessive gemeinsam umzusetzen und im Rahmen eines Gesamtkonzepts über alle weiterführenden Schulen nachzudenken. Dabei ist sowohl die Option von Ganztagesschulen im Schulzentrum als auch die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule in Rheinstetten zu prüfen. Auch lebenslanges Lernen hat in Rheinstetten seinen Platz. Wichtig ist uns dabei der Erhalt generationenübergreifender Angebote wie etwa unsere Bücherei und der Erhalt der Volkshochschule.

3. Betreuung von Kleinen und Größeren

Schon vor 15 Jahren stand im Grünen Wahlprogramm die Forderung nach der Erweiterung von Kinderbetreuungseinrichtungen, u.a. eine Kinderkrippe. Auf Anregung der Grünen Fraktion wurden Kindertagesstätte und Schülerhort im Kinderhaus Sonnenschein umgesetzt, Öffnungszeiten flexibilisiert und das Eingangsalter für die KiTa auf zwei Jahre herabgesetzt. Mit Grüner Unterstützung wurde das Hortangebot für Fünft- und Sechstklässler/innen erweitert und aufgestockt.

Aber es bleibt viel zu tun. Heute gilt es, ein angebotsorientiertes, durchgängiges, kommunales Bildungs- und Betreuungskonzept in Angriff zu nehmen, das den Bedürfnissen der Rheinstettener Kinder und Eltern mit möglichst wohnortnahen Einrichtungen gerecht wird.

Wie die jüngste Sozialstatistik ergab, liegt der Anteil an Alleinerziehenden bezogen auf alle Haushalte mit Kindern in Rheinstetten mit 28,7 % an zweithöchster Stelle im Landkreis. Daher sollten bei Maßnahmen zugunsten einer besseren Vereinbarkeit von Eltern-Sein und Beruf auch über Unterstützungsangebote für Alleinerziehende nachgedacht werden. Familienfreundliches Rheinstetten heißt für uns auch, möglichst flexible Öffnungszeiten in wohnortnahen Einrichtungen und Mittagstischangebote in den Ortsteilen anzubieten.

Die Kindergärten und Tagesstätten unserer Gemeinde sollen eine individuelle Förderung von Kindern unabhängig von sozialer Herkunft, Behinderung oder Migrationshintergrund ermöglichen. Dazu sind insbesondere ein angemessener Betreuungsschlüssel, Kreativ-, Spiel- und Sportangebote innen und im Freien, Rückzugsecken erforderlich. Das Angebot heilpädagogischer Gruppen, das Kindern mit besonderem Förderbedarf den gemeinsamen Besuch von Kindergärten ermöglicht, hat sich bewährt. Von diesem Miteinander profitieren alle Kinder. Das Angebot des Landesförderprogramms „Singen-Bewegen-Sprechen“ zur frühkindlichen Sprachförderung kommt Kindern mit und ohne Migrationshintergrund nachhaltig zugute. Entsprechende Angebote sollen beibehalten und nach Möglichkeit ausgebaut werden. Der Waldkindergarten wurde mit Grüner Unterstützung endlich in den Kindergartenbedarfsplan aufgenommen und stellt zweifelsohne eine Bereicherung des Betreuungsangebots unserer Gemeinde dar.

Wir freuen uns, dass es bei uns endlich Kleinstkindbetreuung gibt – auch wenn wir diese lieber verzahnt mit bestehenden Einrichtungen und Trägern gesehen hätten. Wir begrüßen, dass die grün-rote Landespolitik die Zuschüsse an die Kommunen für den Ausbau der Kleinkindbetreuung mehr als verdoppelt hat, das Land 68% der Betriebskosten übernimmt.

Der inzwischen in die Albert-Schweitzer-Schule umgezogene Schülerhort hat sich bewährt. Als einziger Hort Rheinstettens sind seine Kapazitäten aber inzwischen erschöpft. Räumlichkeiten und Außenbereich sind weiter aufzuwerten, um altersgemäße Angebote zu ermöglichen. Außerdem ist zu prüfen, wie das Angebot flexibler gestaltet und bei Bedarf um Hausaufgabenbetreuung ergänzt werden kann. Im Zuge ei nes durchgängigen Betreuungsangebots sind ergänzend erweiterte Betreuungsmöglichkeiten mit Mittagstisch in Forchheim auszubauen. Um Eltern und Gemeinde eine zuverlässige Planung zu ermöglichen, muss eine kontinuierliche verbindliche Bedarfsanalyse erfolgen. Darüber hinaus setzen sich Bündnis90/Die Grünen für Ganztagesschulen ein.

Wir freuen uns, dass der Gemeinderat in den letzten Jahren flexibel auf zusätzlichen Betreuungsbedarf reagiert hat und werden uns dafür einsetzen, dass dies auch wei ter so gehandhabt wird. Auch Kleinstkind- und Hortbetreuung sollte für alle, die dies benötigen, erschwinglich sein. Dies mit der nun breiteren Trägerlandschaft auszuloten, wird die nächste Herausforderung. Die Gebühren sollten möglichst einkommensabhängig gestaffelt werden.